17.7.13

Rezension: "Zwei Socken auf einen Streich - Von der Spitze bis zum Bündchen"

Ich habe mir vorgenommen, zu lernen, wie man mit einer Rundstricknadel zwei Socken auf einmal von der Spitze an strickt. Dabei bringe ich brillante Vorkenntnisse mit:

Socken auf Rundstricknadel? - Nie gemacht.
Zwei auf einmal? - Nope.
Toe-Up? - Nie probiert.



Als Einstiegshilfe habe ich mir das Buch "2 Socken auf einen Streich - Von der Spitze bis zum Bündchen" von Melissa Morgan-Oaks bestellt und für euch meine Eindrücke aufgeschrieben.


Erster Eindruck: Das Buch ist gebunden und in einem angemessenen Format. Nicht zu groß und nicht zu klein und das Cover sieht sehr hübsch und einladend aus und macht Lust, im Buch zu schmökern. Die Schrift ist gut leserlich, genau richtig groß. Auf den Hochglanzseiten der Grundanleitung ist neben jedem Arbeitsschritt ein Bild zu finden und in Kursiv stehen noch weitere Tipps dabei. Die Fotos der weiteren Modelle sind sehr professionell und hübsch anzusehen.

Grundtechnik: Mit Judy's Magic Cast On beginnt man an der Spitze der beiden Socken und strickt jeweils die Vorder- und die Rückseite. Dabei muss man relativ umständlich die Nadeln zurechtrücken, was Zeit kostet. Mit etwas Übung klappt's besser, aber ich vermute, der Rundumwechsel beim Nadelspiel ist immer noch schneller machbar.

Spannend wurde es bei der Ferse, die gar nicht so schwer ist, wie vermutet. Ein großes Minus ist allerdings, dass es keine richtige Formel gibt, um die Länge des Fußstücks auszurechnen, nach dem man mit dem Spickel beginnt. Im Buch werden die zwar immer angegeben, aber es wird nicht erklärt, wie man auf den angegebenen Faktor kommt. Bei der Internetrecherche variieren die Werte auch immer um 6cm und das ist bei einer Socke ja schon eine ganze Menge. Da muss wohl noch mehr getüftelt oder ausprobiert werden.

Unschön ist auch, dass in dem Buch unmögliche Garnstärken benutzt werden. Unmöglich deshalb, weil man auf dem deutschen Markt schlechte Chancen hat, Sockengarn in der jeweiligen Lauflänge zu besorgen. Zwar wird angegeben, wie man umrechnen kann, allerdings muss man dann ja alle in der Anleitung angegebenen Maße umrechnen, was sicherlich das Strickvergnügen sehr hemmt. Einfach wäre gewesen, wenn es Modelle für 4- und für 6-fädiges Sockengarn gegeben hätte, wie das gängige Maß für Sockenwolle nun einmal ist. Für Anfänger wird's dann schon langsam kriminell-schwierig, überhaupt noch mitzukommen.

Anleitungen: Achtung, Freunde der deutschen Sprache und Literaturfans werden sich über die Übersetzung ärgern. Viele feststehende englische Redewendungen wurden wörtlich ins Deutsche übertragen. Das führt zu unmöglichen Satzkonstruktionen, die mehr sich mehr als holperig anhören! Kleine Kostprobe?
"Lassen Sie nicht zu, dass das Festhalten an einem vorgeschlagenen Garn Sie daran hindert, ein bestimmtes Modell zu stricken" (S.10)
Ja, man versteht, was gemeint ist, aber schön klingt es nicht.
Wer des Englischen mächtig ist, ist vielleicht mit der Originalversion des Buches glücklicher...
Die vorgestellten Modelle sind keine Superneuheit, aber ganz nett anzusehen und Anfänger können sich ein gutes Bild von verschiedenen Rechtslinks- und Zopfustern machen.

Fazit: Ja, es können mit diesem Buch schöne Toe-Up-Socken entstehen. Für Anfänger wird es sicherlich sehr schwierig, der Anleitung mit ihren Fachbegriffen zu folgen, Nadelstärken umzurechnen und rechtzeitig mit dem Spickel zu beginnen, sodass die Socke nicht zu groß wird. Zum Schmökern ist das Buch wegen seiner schlechten Übersetzung eher nicht geeignet. Die Modelle sind ganz hübsch, aber nichts Besonderes, was man nicht so ähnlich auch im Internet finden würde. Der Preis von 9,99€ ist dafür sehr angemessen. Alles in allem würde ich dem Buch 3 von 5 Sternen geben.

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