15.6.13

[Empören] Slutwalk

Dieses Thema hat nichts mit Stricken oder Nähen zu tun. Es ist nicht lustig und nicht unterhaltsam. Aber es ist wichtig.

Vielleicht kennt ihr die Platformen "Spotted" oder "Bibflirt". Es handelt sich dabei um Seiten, wo Kontaktanzeigen aufgegeben werden können, z.B.: "Ich habe dich in der Unibibliothek gesehen und fand dich toll. Vielleicht wollen wir ja mal einen Kaffee trinken." oder "Hey, du bist mir im Bus aufgefallen und ich würde gerne mehr über dich erfahren". Meistens ist eine Beschreibung des Aussehens enthalten, damit der- oder diejenige sich auch wiedererkennt. Männer und Frauen nutzen das Angebot.
Viele Anzeigen sind auch wirklich sehr nett und kreativ geschrieben und vielleicht haben sich ja auch die ein oder anderen Freundschaften oder Pärchen ergeben. Das wäre jedenfalls wünschenswert.

Aber es gibt auch welche, die über das Ziel hinaus schießen. Das, was ich da letzte Woche lesen konnte, hat mich so sehr verärgert, dass ich einen Kommentar daruntersetzte und eine Diskussion mit zwei Männern auslöste.

Die Bibflirt-Anzeige war von jemandem geschrieben worden, der eine Frau auf einem Fahrrad gesehen hatte. Er beschrieb ihren Po als "nice", man konnte ihren lila Spitzenstring über der schwarzen Leggins hervorblitzen sehen. Er schrieb weiter, dass manch einer das nun billig finden könnte, aber er möge billig. Billig sei besser als teuer und außerdem ließe es auf sexuelle Aufgeschlossenheit schließen.

An diesem Punkt war mein Akzeptanzlevel eindeutig überschritten. Wieso glauben eigentlich immer noch so viele Menschen, vor allem, wie es scheint, Männer, dass die Kleidung einer Person ihnen das Recht gibt, irgendwelche Rückschlüsse auf ihre sexuelle Einstellung zu ziehen? Wieso müssen sich Frauen, die einen Minirock tragen, dafür rechtfertigen und wieso muss man immer wieder hören, dass die Opfer von Sexismus oder gar sexualisierter Gewalt bis hin zu Vergewaltigung, selbst schuld sind, weil sie sich ja so aufreizend angezogen haben?

Denn genau das kam bei dieser Debatte ans Tageslicht. Ein Mann schrieb mir privat: "Nein. Eine frau darf in der tat anziehen, was sie will. Allerdings soll sie sich nicht wundern, wenn sie auf ein sexobjekt reduziert und vergewaltigt wird. Nochmal: ein bisschen schamgefühl kann niemandem schaden". Wie bitte?

Wenn eine Frau sich hübsch anzieht, dann tut sie das nicht zwangsläufig mit der Devise "Bitte grabscht mich an". Es besteht eine nicht unerheblich große Möglichkeit, dass sie sich hübsch anzieht, weil sie sich hübsch fühlen will, weil sie sich feiern will und weil sie ihr Leben genießt.

Und wenn jetzt wieder jemand kommt, der sagt: Wo hört flirten auf und wo fängt Sexismus an?

Da, wo die persönliche Grenze der Person überschritten wird. Und da niemand die persönliche Grenze eines fremden Menschen kennt, sollte man sich vielleicht kurz überlegen, wo der Unterschied zwischen: "Hey, Schlampe. Dein Arsch ist geil!" und "Hey, du siehst sehr hübsch aus" besteht.

Jeder Täter hat eine Wahl und ist dafür verantwortlich, was er tut. Ein Opfer hat diese Wahl nie.

Kommentare:

  1. Das ist leider ein Problem, dass so alt ist wie die Gesellschaft. Vorurteile, Vorverurteilung, Intoleranz. Die Reduzierung von Personen auf gewisse Dinge, nur aufgrund von Äußerlichkeiten. Das machen Männer und Frauen aber gleichermaßen. Bei den Frauen bezieht sich das aber meist eher auf das gleiche Geschlecht, da wird eher mal eine andere Frau aufgrund ihrer Optik abgeurteilt, als ein Mann. Männer bilden sich ihr Urteil so eher über Frauen. Nach dem Motto: blonde Haare, große Brüste, nix in der Birne aber gut im Bett.
    (Wenn ich generell Männer und Frauen schreibe, so meine ich natürlich NICHT alle, denn alle sind sicher nicht so)
    So traurig wie es ist, das Problem ist so alt wie die Menschheit - daran werden wir nichts ändern können.

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    1. Liebe Beerenmama,

      danke für deinen Kommentar!
      Ich stimme dir zu, dass Vorurteile leider immer vorkommen und auch niemand vor ihnen gewappnet ist und es auch nie sein wird. Im Gegenteil: Wir MÜSSEN Menschen sogar in eine Schublade, in ein Schema stecken, um angemessen auf sie reagieren zu können. Das macht unser Gehirn ganz automatisch.

      Das oben beschriebene Problem dreht sich aber um Sexismus. Und Sexismus sollte sich umgekehrt proportional zur Emanzipation verhalten: Je gleichberechtigter Frauen sind, desto weniger sollte Sexismus auftreten.

      Nach dieser Diskussion hat mich ein junger Mann angeschrieben, dass er absolut der Auffassung sei, dass vergewaltigte Frauen, die sexy Kleidung angehabt haben, Schuld an ihrer Vergewaltigung seien, weil sie beim Mann Triebe ausgelöst haben.

      Meine Auffassung ist, dass kein Mensch der Welt jemals das Recht hat, einem anderen Gewalt anzutun. Und in diesem speziellen Fall: Vielleicht steht ein Mann auf rosa Schnürsenkel. Dann hab ich selbst Schuld, wenn mich dieser Mann überwältigt und gewalttätig zum Sex zwingt? Ich hatte ja die rosa Schnürsenkel an.

      Es kann nicht sein, dass Männer denken, dass Frauen einen Minirock anziehen, um damit zu sagen: "Schlaf mit mir!" oder "Bagger mich auf billigste Art und Weise an!". Es soll Frauen geben, die sich auch für sich selbst gerne hübsch anziehen.

      Weiterhin argumentieren jetzt manche: Ja, aber ein Kompliment wird doch erlaubt sein! Und flirten auch!

      Klar! Aber es gibt ja wohl einen Unterschied zwischen "Dein Kleid ist sehr hübsch" und "Hey, geile Schlampe, ich steh auf deinen Arsch!". Und es kann mir keiner sagen, dass er nicht weiß, wann was angebracht ist.

      Natürlich gibt es auch unter Frauen Sexismus. Aber dieser artet meistens nicht in eine Vergewaltigung von Männern aus und solche Kommentare wie auf Bibflirt gibt es auch seltener von Frauen. Deshalb bezieht sich der obengenannte Post sehr auf Männer.

      Ich hab einfach keinen Bock mehr, dass einige Männer Frauen als ein Stück Fleisch ansehen. Ich dachte immer, das sei übertrieben, aber offensichtlich gibt es viel zu viele davon.

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